Corona-Pandemie | „Ideen für die Zeit danach“ #1

Grün in die Stadt, Autos raus,
Quartiere zwecks Dezentralisierung stärken


Ein Beitrag von Dierk Hausmann

Auch nach der Corona-Krise werden andauernde Wirtschaftskrise und wieder einsetzende globale Handels- und Finanzierungsbeziehungen soziale Ungleichheit und Verteilungskämpfe auf viele Jahre hinaus verstärken. Zudem vertieft die Digitalisierung, forciert durch das Coronavirus, die Gräben zwischen qualifizierten und nichtqualifizierten Personen und schwächt die Teilhabe ärmerer, nicht privilegierter gesellschaftlicher Gruppen.

Leitgedanke: Der weiteren Verschärfung sozialer Spaltung soll eine Stärkung der Quartiere und Stadtteile mit ihren partizipatorischen und deliberativen Potenzialen entgegenwirken. Hier sind Gemeinschaftssinn, Zusammengehörigkeitsgefühl und Solidarisierungsvermögen noch gut ausgeprägt.

Gleichzeitig ist die Corona bedingte „authentische Erfahrung der Verlangsamung des Alltags“ (O. Negt) für Mobilitäts- und Klimawende zu nutzen.

Stichworte:

  • bei raumrelevanten Planungen und Routinen der Kommunalverwaltung sowie im Bereich der Wohnungs-, Jugend-, Sozial- und Gesundheitsämter sektorale Strukturen abbauen zu Gunsten ressortübergreifender quartiers- und projektbezogener Fallbearbeitung (Bsp. Helsinki),
  • Aufbau von Quartiersmanagement und Beiräten mit eigenem Etat (unter Einbindung vorhandener Stadtteilstrukturen / Maßnahmen „Soziale Stadt“); sie sollen die örtlichen Schulen, Bibliotheken, neuartige öffentliche Gesundheitszentren u.a. Einrichtungen zu Quartierszentren zusammenbinden/ausbauen, Beratungszentren für Digitales und Klima einrichten,
  • bestehende und zu erwartende Sanierungsprogramme für Schulen u.a. soziale Infrastruktur für den Umbau zu Mehrfachnutzung und Öffnung zum Stadtteil nutzen,
  • pro Mehrpersonenhaushalt 15 m2 Gemeinschaftsfläche (für Fernunterricht, Homeoffice, Nachbarschaftshilfe u.a.) einplanen bzw. im Bestand nachrüsten (im EG, Hof o.a.); dazu bestehende und zu erwartende Programme zur energetischen Sanierung nutzen,
  • Energiebilanz im Bestand durch 2. Fassadenhaut verbessern, die auch der Raumgewinnung und stärkeren Öffnung zum öffentlichen/halböffentlichen Straßen-/Hof-Raum
  • großflächige MI-Ausweisung (auch bei ungleichgewichtiger Nutzungsmischung und i.E. einschl. nicht erheblich belästigender Gewerbebetriebe) und Erhaltungssatzungen (Gebäude- und Milieuschutz) gegen ungewollte Aufwertungen,
  • zur effektiveren Bodennutzung nur noch Baurechte auf Zeit vergeben, vorrangig Umnutzung statt Abriss und Neubau (z.B. obsoleter Parkhäuser, Kaufhäuser), Großkomplexe partitionieren (z.B. Corviale, Rom), Gewerbehöfe und Coworking-Flächen einrichten als Alternative zum Homeoffice, auch für Reparatur oder „urbane Produktion“ (E. Schütz),
  • Stadtteilverkehrspläne er-/überarbeiten, Ziel ist die Neuaufteilung des Straßenraums:
  • selbständige Radwege und Busspuren einrichten (jeweils > 3,0 m breit) und Fußgängerbereiche ausweiten (auch temporär), der Individualverkehr muss Fußgängern, Radfahrern und ÖV generell Vorfahrt gewähren (Bsp. Brüssel),
  • für den Verkehr nicht mehr benötigte Flächen vorrangig entsiegeln und alleenartig begrünen.

Frankfurt am Main, 15. Juni 2020

 

15. Juli 2020 von Anke Kochenburger
Kategorien: Corona-Pandemie, Diskussion, Grün und Freiraum | Schreibe einen Kommentar

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