Corona-Pandemie | „Ideen für die Zeit danach“ #2

 


Ein Beitrag von Dipl.-Ing. Andreas Jacob | Maximilian Essig | Dipl.-Ing. Kirsten Jansen | Dennis Christmann

Corona – eine Pandemie (folgen weitere?) bricht sich Bahn. Erst Lockdown – jetzt (vorsichtige Öffnungen) im täglichen Leben sowie in Wirtschaft und Gesellschaft. Was bleibt? Was kommt? Was ändert sich für Stadtplanung und Urbanismus? Für Mobilität und soziale Kohäsion? Für Umwelt und Nachhaltigkeit? Für …

Einige unvollständige Gedanken / Thesen … die sich im Übrigen durch die Dynamik schnell überholen (können), was zur Frage der Halbwertzeit der (städtebaulichen) Gewissheiten führt:

  1.  Corona und das Ende der Urbanisierung ?

New York, Paris, London, Madrid, aber auch Mumbai und andere Metropolen dieser Welt stehen wegen der Corona Pandemie (zeitweise) still und sind im Vergleich zu kleineren Städten besonders schwer betroffen.

Das ist nicht verwunderlich, denn je mehr Menschen auf engem Raum leben umso höher ist die Ansteckungsgefahr. Plötzlich birgt das Leben in der Stadt und im Zentrum subtil größere Gefahren als aus dem Land – könnte das das Ende der Urbanisierung der Städte sein?

Davon sollte man nicht ausgehen, aber die Städte werden nicht mehr dieselben sein wie vor der Pandemie – die Entwicklung, Planung und das Leben in unseren Städten wird sich maßgeblich verändern:

  • These 1: In der Stadt werden wir mehr Freiraum benötigen und die Abstandsflächen zwischen den Gebäuden werden sich deutlich vergrößern (müssen?)
  • These 2: Die Grundrisse der städtischen Wohnungen werden sich vergrößern, mindestens um ein Zimmer für „Home-Office“ und einen Balkon.
  • These 3: Die Menschen werden vermehrt der Stadt als Lebensmittelpunkt den Rücken kehren, demnach werden die Mietpreise in den Städten sinken und in den Vorstädten steigen, sodass die baulichen Aktivitäten auf dem Land eher zunehmen werden.
  • These 4: Die Nachfrage nach großen Büroimmobilien (Mega-Office-Building)r wird merklich schrumpfen, da Home-Office in Deutschland nicht mehr wegzudenken ist.
  • These 5: Der Schutz der Umwelt und des Menschen wird eine große Rolle in der Gesellschaft einnehmen, die Akzeptanz für großflächige Gewerbeansiedlungen auf der grünen Wiese wird massiv abnehmen.
  1.  Corona verändert Blickwinkel und Perspektiven ?

Corona stellt für weite Teile der U40-Bevölkerung die erste Erschütterung des bisher in relativer Sicherheit verbrachten eigenen Lebens dar, dieser kannte keine Kriege, Naturkatastrophen, Staatskrisen und nur kontinuierlichen wirtschaftlichen Aufschwung (die Finanzkrise 2008 dürfte diese Gruppe weitgehend nicht betroffen haben).

Wie verändert es die Generationen, welche Bewusstseins- und Verhaltensänderungen wird Corona bei dieser nicht geringen Zahl von Menschen hervorrufen? Wie werden diese in Zukunft wohnen, arbeiten und leben wollen? Und wie sieht es mit der Bezahlbarkeit aus?

Die Krise rückt insbesondere die (medizinische und soziale) Daseinsvorsorge in den Vordergrund, die bisher nicht immer im Fokus stand. Insbesondere die Privatisierungs- und Kapitalisierungsentwicklungen aus der Vergangenheit stellen sich jetzt als problematisch heraus. Wird es hier in Zukunft eine Abkehr geben?

Wie wird Corona das Verhältnis zur Arbeit verändern? Wird „Arbeit“ aufgrund der Besinnung auf Werte wie Gesundheit eher an Stellenwert verlieren oder angesichts von Kurzarbeit und schwieriger wirtschaftlicher Lage eher wertvoller denn je werden?

Wie verändert Corona das Mobilitätsverhalten? Durch die stärkere Nutzung von Remote- Arbeitstools (Zoom, Skype u.ä.) spielen Distanzen immer weniger eine Rolle, die physische Anwesenheit verliert (wirklich?) an Bedeutung.

Werden wir dies in die Nach-Corona-Zeit übernehmen? Wird die persönliche und berufliche Mobilität auch in Zukunft auf einem niedrigeren Niveau bleiben?

Corona verstärkt erfreulicherweise definitiv die buy-local-Tendenz. Dies kann durch geeignete Maßnahmen weiter gefördert werden.

Vielerorts hat die Krise einen Schulterschluss der örtlichen Einzelhändler bewirkt, die nun über gemeinsame Plattform auch online Artikel vertreiben, gemeinsame Gutscheine vertreiben o.ä., Innovationen die vorher in weiter Ferne schienen, dies sollte unbedingt beibehalten und durch gezielte Wirtschaftsförderung weiter gestärkt werden.

  1.  Corona verändert die Planungsprämissen ?

Wird sich die aktuelle Planungskultur/Methodik und die Prämissen-Setzung in Deutschland und Europa ändern? Gibt es eine Abkehr von der maximalen Verdichtung hin zu einer Entdichtung v.a. in Ballungsräumen, sodass Freiräume und Ökologie an deutlicher Bedeutung gewinnen?

Wie werden v.a. die Kommunen in solchen Ballungsräumen auf Mobilität reagieren? Werden Verkehrskonzepte überarbeitet, um das Beispiel der „vollgestopften U-Bahn“ künftig zu entlasten? Gibt es die Renaissance des PKW (sicher und virenfrei?). Differenzierte, regionale und lokal unterschiedliche Konzepte und Lösungen werden notwendig, die je nach Bevölkerungsdichte ausgerichtet sein müssen.

Können auf Dauer die analogen Verfahrensschritte (Bsp. Bauleitplanung) beibehalten werden, wenn deutlich wird, dass in einer solchen Krise diese Schritte (bspw. Beschlüsse) nicht oder nur verzögert eingehalten werden können?

Ist das Planungssicherstellungsgesetz (Gesetz zur Sicherstellung ordnungsgemäßer Planungs- und Genehmigungsverfahren während der COVID-19-Pandemie (PlanSiG – jetzt der Einstieg in die nachhaltige digitale Transformation von formeller und informeller Planung – digital first / analog second?

Für digitale Planungs- und Lösungsansätze stellt die gegenwärtige Situation höchst wahrscheinlich den deutlichen „Push“ dar Wie lässt sich dies in die gesellschaftliche Realität der persönlichen Interaktionen der Menschen, der Emotionen auch im Ringen um gute und beste Lösungen in den Diskurs einbringen. Alles Tool, oder was ?

Kaiserslautern, den 28. Mai 2020

15. Juli 2020 von Anke Kochenburger
Kategorien: Corona-Pandemie, Diskussion | Schreibe einen Kommentar

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