Corona-Pandemie | „Ideen für die Zeit danach“ #3

Corona und die europäischen Stadt – über Spaziergänge und das Lob der Mischung


Ein Beitrag von Christoph Mäckler | Birgit Roth

Das Deutsche Institut für Stadtbaukunst hat 2019 eine Initiative angestoßen, die ein „Weiter wie gewohnt“ bereits in Vor-Corona-Zeiten in Frage gestellt hat. Mit dem  Apell „Nicht ist erledigt!“ wurde gemeinsam mit Barbara Ettinger-Brinckmann, Reiner Nagel, Prof. Jörn Walter und Prof. Peter Zlonicky die „Düsseldorfer Erklärung zum Städtebaurecht“ vorgelegt, die nichts weniger wollte, als endlich die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen oder vielmehr jene rechtlichen Hemmnisse abzuschaffen, die verhindern, dass auch die Form von Stadt gebaut werden kann, die wir schätzen und deren Selbstverständlichkeiten wir gerade in diesen Corona-Zeiten als wertvoll erachten. Die Qualitäten der europäischen Stadt. Nicht umsonst haben sich die Bauminister Europas 2007  mit der „Leipzig-Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt“ für eine Stärkung der Städte nach dem Leitbild der europäischen Stadt ausgesprochen.

Doch was heißt das?

In der Zeit der Krise wird wie unter einem Brennglas deutlich, dass Dichte und Mischung , ganz besonders auch schöne Städte ein gesellschaftliches Bedürfnis sind. Als Spaziergänger lernt man schnell schöne und wohlproportionierte Straßen- und Platzräume schätzen, erfreut sich an der regelmäßigen Reihe einer Allee oder an der Schönheit eines Hauseingangs. Und ebenso wie es schon lange nicht mehr heißen kann Ökonomie oder Ökologie muß es heißen urbane Dichte und klimagerechter Städtebau. Wertvolles Grün und Parks in der Stadt, Wohnen und Arbeiten in erreichbarer Nähe, kulturelle Angebote (die wir derzeit alle vermissen), Geschäfte, Handwerk, ebenso wie medizinische Versorgung und Apotheken im Quartier. Und klar ist auch: Die überwältigende gesellschaftliche Solidarität, die wir derzeit erfahren dürfen muss sich in einer Stadt für Allewiderspiegeln! Nur eine Stadt mit sozialer Vielfalt und Teilhabe ist gerecht und auch für künftige Krisen stabil.

Was muß sich ändern?

Das Baugesetzbuch (BauGB) und die Baunutzungsverordnung (BauNVO) entsprechen nicht mehr den Zielen der Leipzig-Charta und den heute noch einmal verschärften Anforderungen an eine Stadt, die den Forderungen nach Ressourcenschonung und Klimaschutz, bezahlbarem Wohnraum und sozialem Zusammenhalt gerecht wird. Die Baunutzungsverordnung (BauNVO) in ihrer aktuellen Fassung mit ihren gebietsseparierenden Nutzungskatalogen und Dichteobergrenzen, sowie die Bestimmungen der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA-Lärm) arbeiten den Forderungen der Leipzig-Charta entgegen, weil sie funktionale Mischung und urbane Dichte behindern. Grundsätzlich gilt: Regeln sind notwendig! Rechtssicherheit und stützendes Rahmenrecht sind die Grundlage für eine qualitätvolle städtebauliche Entwicklung in unserem demokratischen Rechtsstaat. Zeitgemäßes integriertes Planen und Handeln erfordern jedoch Regeln, die den aktuellen Planungszielen auch tatsächlich entsprechen. Um das Bewusstsein für gemeinsame Werte, Geschichte, Massstäblichkeit und Schönheit der Stadt zu stärken, ist es daher an der Zeit, das in der Leipzig-Charta formulierte Leitbild der europäischen Stadt nun auch gesetzgeberisch zu unterstützen und umzusetzen. – Dank eines engagierten Miteinanders im Fachdiskurs konnte die Düsseldorfer Erklärung im vergangenen Herbst und Winter verbändeübergreifend diskutiert und weiterentwickelt werden. Unter Leitung von Elisabeth Merk wurde der Stuttgarter Konsens erreicht. Lassen Sie uns diesen mit einem „Gemeinsam Weiter!“ umsetzen!

Mehr unter https://www.stadtbaukunst.de/

Frankfurt am Main, 27. Mai 2020

15. Juli 2020 von Anke Kochenburger
Kategorien: Corona-Pandemie, Diskussion, Stadtentwicklung | Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

Datenschutz ist uns wichtig!
Die Angaben, welche Sie im Kommentarformular eingeben, machen Sie auf freiwilliger Basis. Der Name wird später mit dem Kommentar angezeigt. Geben Sie keinen Namen an, wird später "Anonymous" angezeigt. Ihre E-Mailadresse ist für andere Besucher der Webseite nicht sichtbar. Mit dem Speichern des Kommentars wird Ihre IP-Adresse gespeichert. Das geschieht, damit wir Spam-Kommentare aussortieren können. Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter!
Mehr zu unseren Datenschutzeinstellungen können Sie hier lesen.


dreizehn − vier =