Corona-Pandemie | „Ideen für die Zeit danach“ #5

Für die Kultur des stationären Einzelhandels !


Ein Beitrag von Dieter v. Lüpke

Stadt- und Quartierszentren in Zeiten des „Lockdown“ : ein Bild der Öde – geschlossene Läden und Restaurants, verhangene, dunkle Schaufenster und wenige Menschen, die erstaunt die gespenstische Szenerie durchwandern. Aber : zu Hause am heimischen PC  oder unterwegs mit Hilfe des Smartphones entfaltet sich die volle Warenwelt mit der Möglichkeit, online zu bestellen und zu bezahlen und in Kürze Pakete zu Hause zu empfangen. Ist dies nicht für jeden Konsumenten ein Gewinn, der auch nach der „großen Unterbrechung“ den Alltag prägen wird und prägen sollte ?

Von Hand geschriebene Dankesschreiben und Durchhalteappelle an den Schaufenstern der wenigen geöffneten Läden machten deutlich, dass der stationäre Einzelhandel nicht nur der Versorgung dient, sondern darüber hinaus soziale Aufgaben erfüllt. Insbesondere kleine Läden bieten Gelegenheit zu Gesprächen – über die Auswahl der Produkte hinaus. Ladeninhaber und –personal haben „ein Auge auf die Straße“ vor der Ladentür und sorgen für etwas mehr Sicherheit. Besuche in Zentren dienen dem Sehen und Gesehenwerden, sie geben Denkanstöße und Gelegenheiten für ungeplante Kontakte. Und soweit noch kleine Läden mit individuellen Geschäftsleuten vorhanden sind, tragen sie wesentlich zur Vielfalt der Angebote und deren „Verpackung“ und Werbung bei.

Diese Qualitäten sind in Gefahr – gerade nachdem viele Menschen aus der Not heraus zum ersten Mal die Vorteile des Online-Handels kennengelernt haben. Das Schrumpfen des stationären Einzelhandels ist aber nicht unabwendbares Schicksal – vielmehr ist die angemessene Kombination von stationärem und Online-Einzelhandel grundsätzlich politischer Einflussnahme zugänglich. Vorschlag : Durch neue gesetzliche Regelungen erhalten die Gemeinden das Recht, Liefervorgänge auf öffentlichen Straßen, bei denen die Endverbraucher per Lkw bedient werden, zu besteuern. Die Höhe der Abgaben könnte sich – unter Beachtung von Mindest- und Maximalwerten – am Warenwert orientieren. Die Einnahmen sollten zweckgebunden verwendet werden : für die Aufwertung öffentlicher Räume in den Zentren, für die Förderung eines Zentrenmanagements, für den Umbau  und die Einrichtung kleiner Läden. Warum sollen die Gemeinden ein solches Instrument der Einflussnahme erhalten ? Sie können am besten beurteilen, wie hoch die Belastungen der öffentlichen Räume durch Paketdienste sind, ob es Chancen für den stationären Einzelhandel gibt und mit welchen Maßnahmen letzterer gestützt werden kann. Auch wird lokale Demokratie gefördert, indem den Gemeinderäten Kompetenzen zuwachsen, die sie der Notwendigkeit entheben, Förderanträge beim Land und/oder Bund zu stellen. Dass gemeindliche Kompetenzen immer wieder gut genutzt werden, bewies in diesen Zeiten in besonderer Art und Weise die Stadt Jena mit ihrer erfolgreichen Pandemiestrategie.

Frankfurt am Main, 19. Juni 2020

15. Juli 2020 von Anke Kochenburger
Kategorien: Corona-Pandemie, Diskussion, Stadtentwicklung | Schreibe einen Kommentar

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