Corona-Pandemie | „Ideen für die Zeit danach“ #9

Stadtentwicklung und Corona


Ein Beitrag von Prof. Dr. Detlef Kurth

Städtebauliches Leitbild/Leipzig Charta:

  • Das in der Leipzig Charta formulierte städtebauliche Leitbild hat weiterhin grundlegend Bestand, es bedarf keiner grundlegenden Revision aufgrund von Corona
  • Die städtebauliche Dichte oder Bautypologie hat keinen Einfluss auf die Ausbreitung des Virus, dies sollte aber auch nicht dafür instrumentalisiert werden
  • Wir brauchen keine neue „hygienische Stadt“, aber es lässt sich besser nachvollziehen, was die Beweggründe für die Charta von Athen waren und warum bestimmte Reglungen bis heute gelten
  • Das wohnungsnahe Grün in Höfen sowie in Parkanlagen wird an Bedeutung gewinnen, nicht nur für Wohngebiete, sondern auch für die Klimaanpassung
  • Es kann zu vermehrten Konflikten bei der Nachverdichtung kommen
  • Suburbanisierungstendenzen und autoorientierte Wohnformen könnten zunehmen, verstärkt noch durch autonomes Fahren
  • Der Einzelhandel ist substanziell durch den zunehmenden online-Handel bedroht

Offener öffentlicher Raum

  • Der öffentliche Raum muss offen zugänglich bleiben
  • In Pandemie-Zeiten gab es zu viele Grenzen, Absperrungen und Beklebungen, der öffentliche Raum wurde teils zur Gefahrenzone erklärt
  • Wichtig sind gestalterische Lösungen, die den Bürger intuitiv leiten, z. B. bei Warteschlangen oder Aufenthaltsbereichen
  • Die Innenstädte sollten zur „urbanen Terrasse“ erklärt werden, wo der Straßenraum vorrangig durch Fußgänger, Radfahrer und Gastronomie genutzt wird (z. B. Konzept der „blauen Straße“ oder des Superblocks)

Gleichberechtigte städtische Mobilität:

  • Vorrang für Fußgänger, Radfahrer und ÖV
  • Gefahr der zunehmenden „keimfreien“ und distanzierenden Automobilität
  • Rehabilitation des öffentlichen Nahverkehrs, die Folgen von mehr Feinstaub und CO2 sind gefährlicher als Viren

Wohnen und Homeoffice:

  • Das Homeoffice ist vor allem ein Modell für privilegierte Berufsgruppen mit großen Wohnungen, es kann keine generelle Lösung sein
  • Die Trennung von Wohnung und Arbeitsplatz ist ein emanzipatorischer Fortschritt, auch die Trennung von Arbeitszeit und Freizeit
  • Kinderbetreuung und Schule sind grundlegende Pfeiler der Daseinsvorsorge

Resilienz und Gesundheit in der Stadtentwicklungsplanung

  • Gesundheit sollte ein selbstverständlicher Bestandteil der Bauleitplanung und der Stadtentwicklungsplanung werden
  • Vulnerabilitätsanalysen und Monitoring sollten gesundheitlich benachteiligte Stadtteile identifizieren, vor allem durch Lärm- und Luftverschmutzung
  • Das Thema Gesundheit sollte mit Klimaanpassungskonzepten verknüpft werden

Weiterentwicklung der Planungsinstrumente:

  • Mehr Stadtentwicklungskonzepte basierend auf Indikatoren, zu Kernthemen der Zukunft, regelmäßige Fortschreibung mit Monitoring
  • Klimawandel und Gesundheit als Dauerthemen in Stadtentwicklung und Städtebauförderung integrieren
  • Digitale Quartierskonzepte mit dezentralen Lösungen, digitale Infrastruktur als öffentliches Gemeingut

Kaiserslautern, 02.07.2020

15. Juli 2020 von Anke Kochenburger
Kategorien: Corona-Pandemie, Diskussion, Stadtentwicklung | Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

Datenschutz ist uns wichtig!
Die Angaben, welche Sie im Kommentarformular eingeben, machen Sie auf freiwilliger Basis. Der Name wird später mit dem Kommentar angezeigt. Geben Sie keinen Namen an, wird später "Anonymous" angezeigt. Ihre E-Mailadresse ist für andere Besucher der Webseite nicht sichtbar. Mit dem Speichern des Kommentars wird Ihre IP-Adresse gespeichert. Das geschieht, damit wir Spam-Kommentare aussortieren können. Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter!
Mehr zu unseren Datenschutzeinstellungen können Sie hier lesen.


zwei + 15 =