Hinterland

Die Franzosen haben dieses sch√∂ne deutsche Wort in ihre Sprache √ľbernommen, die Angelsachsen auch. Im Franz√∂sischen hat es als Einzugsgebiet eines (See-)Hafens eine Bedeutungsverengung erfahren. Auch im Englischen hat es als Land weg von der K√ľste oder den Ufern gro√üer Fl√ľsse nautischen Ursprung. H√§ufig wird in beiden Sprachen das Wort ‚Irrigation‘, also die Bew√§sserung, im √ľbertragenen Sinne ‚die Anbindung‘ mit ihm in Verbindung gebracht. Es schwingt also die Vorstellung mit, dass wie beim Bew√§ssern etwas zum Wachsen und Gedeihen gebracht werden kann, wenn man sich ordentlich darum k√ľmmert.

Wie ist es nun mit dem Hinterland in unserer Region, z. B. abseits der Ufer von Rhein und Mosel aus? Diese Frage stellt sich das Bauforum Rheinlandpfalz am 13.06.18 in einer Fachtagung in Boppard. Genauer gesagt geht es darum, welche Konzepte es gibt, um Städte und Gemeinden zu attraktiven Wohn-, Arbeits- und Kommunikationsorten mit Ankerfunktion zu entwickeln.

Das Bundesinstitut f√ľr Bau-, Stadt und Raumforschung hat aktuelle Zahlen zur Bev√∂lkerungsentwicklung zwischen 2000 bzw. 2010 und 2016 f√ľr ganz Deutschland herausgebracht. Demnach geh√∂rt Rheinland-Pfalz zu den Bundesl√§ndern, die in gro√üen Teilen deutlich an Bev√∂lkerung verloren, w√§hrend nur wenige Kreise gewonnen haben. So ist z. B der Landkreis Cochem zwischen 2010 und 2016 (erneut) geschrumpft, und zwar um 3,8 %. √Ąhnlich sieht es in anderen Landkreisen in der Eifel, im Hunsr√ľck und in der Westpfalz aus. Und au√üerdem haben weite Teile des Landes einen Anteil an der Bev√∂lkerung, die 65 Jahre und √§lter ist, von √ľber 20 %. Auf der Gewinnerseite stehen indes nur die St√§dte und Landkreise Trier, Koblenz, und Mainz sowie diejenigen entlang des Oberrheingrabens.

Sinkende und alternde Bev√∂lkerung sind indes keine guten Voraussetzungen, um soziale und technische Infrastruktur am Laufen zu halten und Daseinsvorsorge zu betreiben. Insofern stellen f√ľr das Fl√§chenland Rheinland-Pfalz die Fragen nach gleichwertigen Lebensbedingungen und Teilhabe sowie Generationsgerechtigkeit, Bildung und Arbeitschancen eine besondere Herausforderung dar, wie es die Veranstalter formulieren. Und die Entwicklungsperspektiven der Gebiete au√üerhalb der Schwarmst√§dte und Wachstumsregionen. stehen zurecht im Fokus der Tagung. Neben der klassischen Sicht der Regionalplanung (Prof. Dr. Gabe Troeger-Wei√ü) wird es auch um „r√§umliche Gerechtigkeit“ gehen (Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber) und werden Betreiber bzw. Nutzer von Gr√ľnderzentren bzw. Coworking-Spaces zu Wort kommen. Wir empfehlen die Tagung daher zur Teilnahme.

Bild: (c) BBSR: Bevölkerungsentwicklung 2000-2016 (Auszug) 

28. April 2018 von ESchuetz
Kategorien: Diskussion, Infrastruktur, Ländlicher Raum, Regionalentwicklung, Vortrag | Schlagwörter: , , , | Schreibe einen Kommentar

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