Vorbildlicher Städtebau in Kassel

Der Vorstand unserer Landesgruppe hatte zu einem Treffen in Kassel am 14. Februar 2020 eingeladen. Der gut besuchten  Fachveranstaltung  ging ein Stadtrundgang  in Begleitung von Stadtbaurat Christof Nolda voraus.

Start war im Bereich der Friedrich-Ebert-Straße, die vor wenigen Jahren als Hauptverkehrsstraße auf einer Länge von 800 Metern  zu einem „Boulevard“  umgebaut wurde, der  sich trotz hoher Belastung im motorisierten Individualverkehr durch  Aufenthaltsqualität auszeichnet.

Schlüssel zum Erfolg war der  Verzicht auf Abtrennung einer reinen  Straßenbahntrasse. Der Flächengewinn kam den Randbereichen in Gestalt breiterer Gehwege nebst Parkierungs- und Baumpflanzstreifen zugute – aber auch Radverkehrsanlagen und einem begehbaren Mittelstreifen, der das Überqueren der Fahrbahnen erleichtert. Ein Projekt, das Schule machen sollte und im Jahre 2016 zu Recht von der SRL mit dem Deutschen Verkehrsplanungspreis ausgezeichnet wurde.  Als „Highlights“ des Rundgangs sind weiter hervorzuheben : Das „Schülerforschungszentrum Nordhessen“ in der Parkstraße ( betreut durch Wissenschaftler der Universität Kassel haben Schüler dort die Möglichkeit, eigene Forschungen und Entwicklungen in naturwissenschaftlichen und technischen Bereichen zu realisieren ), das Konversionsprojekt der ehemaligen Brauerei Piropf ( Wohnungsbau in hoher Dichte, mit interessanten Stadträumen und intensiver sozialer Mischung ) und  die Umgestaltung des Brüder-Grimm-Platzes. Letzterer stellt den Endpunkt der innerstädtischen Straßenachse mit der Platzfolge Königsplatz, Opernplatz und Friedrichsplatz dar. Seine stadträumliche Bedeutung wird weiter dadurch verstärkt, dass er den Auftakt der Wilhelmshöher Allee bildet. Dieser Lage wird der Platz in seiner derzeitigen Nutzung und mit seinen derzeitigen Raumkanten nicht gerecht – auch wenn unter anderen das Hessische Landesmuseum ( 1910 bis 1913 von Theodor Fischer errichtet ) und die Torwachtgebäude aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts ( Seitenflügel eines nie vollendeten Wilhelmshöher Tores, zum Teil von den Brüdern Grimm als Wohngebäude genutzt ) die Blicke auf sich ziehen. Das Projekt der Umgestaltung des Platzes wird  als Projekt der Nationalen Stadtentwicklung vom Bund mit 6,5 Mio. Euro gefördert, das konkrete Planungskonzept soll im Laufe dieses Jahres in einem Planungswettbewerb gefunden werden.

Am Rande des Rundgangs war zu hören, dass die Stadt sich überaus ambitionierte Ziele für Klimaschutz und Klimaanpassung gesetzt hat : sie will nicht – wie europaweit üblich – bis zum Jahr 2050 „klimaneutral“ werden, sondern bereits bis 2030. Kassel scheint im Bereich der Stadtentwicklung wenn nicht alles, so doch vieles richtig zu machen ! Ob dies auch darauf beruht, dass  – wie im Verlauf des Rundgangs zu hören war – Kasselaner StadtbaurätInnen traditionell ausgewiesene Fachleute waren und sind, mag in diesem Rahmen dahingestellt sein.

Dieter v.Lüpke 26.3.2020

14. April 2020 von Anke Kochenburger
Kategorien: Diskussion, Klimaschutz, Stadtentwicklung, Vortrag | Schlagwörter: , , , | Schreibe einen Kommentar

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